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 Betreff des Beitrags: Ursachen der Sucht
BeitragVerfasst: Di 21. Apr 2009, 13:14 
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Registriert: Mo 23. Feb 2009, 15:13
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Wie entsteht eine Sucht?

Gründe für Suchtverhalten zu erkennen, bedeutet auch, mit entsprechenden Präventivmaßnahmen potentielle Abhängige vor dem Teufelskreis schützen zu können.Sucht ist ein komplexes Phänomen. Es gibt nicht die eine Ursache, die zur Sucht führt. Vielmehr gibt es ein Ursachenbündel, in dem biologische, psychische und soziale Faktoren eine Rolle spielen. Dabei werden je nach theoretischem Hintergrund unterschiedliche Faktoren in den Mittelpunkt gestellt. Seit den 80er Jahren betrachtet man Abhängigkeit/Sucht deshalb als multifaktoriellen Prozess. Eine Suchterkrankung entwickelt sich in einem multikausalen und interaktiven Prozess. (Laging M. "Riskanter Suchtmittelkonsum bei Jugendlichen"; 2005; S.32)

Es stimmt also nicht, dass nur ein bestimmter Menschentyp oder Charakter oder bestimmte Lebensumstände in die Sucht führen. Was aber zutreffend ist: Häufig ist die Wahtscheinlichkeit einer Suchtentwicklung neben einer biologischen Veranlagung von bestimmten sozialen Lebensumständen und persönlichen Eigenschaften abhängig.

Sucht kann in vielen verschiedenen Formen auftreten. Einige Menschen werden von einem bestimmten Stoff abhängig, wie etwa von Tabak, Alkohol, Medikamenten oder Betäubungsmitteln wie Heroin oder Kokain. Andere Menschen hingegen leiden an einer Verhaltenssucht, die nicht stoffgebunden ist, wie etwa Spielsucht, Essstörungen oder Zwangsstörungen.

1. Sozial
Familiärer Hintergrund, Schule und Freunde können alle einen Einfluss auf die Person und sein Verhalten ausüben. Häufig spielt ein Gruppendruck eine Rolle, z.B. um "dazugehören" zu können. Wenn in einer Klicke Alkohol- oder Drogenkonsum als normal angesehen wird, ist das Risiko höher, dass eine solche Einstellung blind übernommen wird.

2. Bedeutung von Genen
Auch wenn die Bedeutung von Genen bei Suchterkrankungen schon lange bekannt ist, ist es nicht einfach, die entsprechenden Gene zu ermitteln. Zum Teil liegt dies daran, dass die Sucht an sicht stark variiert und von familiären und Umwelteinflüssen verstärkt werden kann, was die Identifizierung der verantwortlichen Gene zu einer großen Herausforderung macht. Alan Leshner hat 1997 als Direktor des amerikanischen National Institute of Drug Abuse (Nida) eine Bilanz der jahrzehntelang betriebenen neurowissenschaftlichen Forschungstätigkeit gezogen: "Abhängigket ist eine Hirnkrankheit".

3. Das Belohnungssystem
In Tierversuchzen wurde festgestellt, dass unser Verhalten durch ein hochkomplexes Belohnungssystem gesteuert wird. Dieses beruht auf dem Botenstoff Dopamin, der auch bei Stimulationen wie Sex, Nahrungsaufnahme, romantischer Liebe oser bei Erfolgserlebnissen aller Art eine wichtige Rolle spielt. Es entwickelt sich ein Wiederholungseffekt, das Individuum verspürt die Lust auf mehr (unwiderstehliches Verlangen, engl. Craving).

Das cAMP-System (cAMP = zyklisches Adenosinmonophosphat) ist verantwortlich für die Toleranzbildung von psychoaktiven Stoffen (Kokain, Alkohol, Nikotin usw.) Doch spielt es ebenfalls für die Entzugssymptomatik eine wichtige Rolle. Außerdem kann eine Protein die Verbindungswege neuronaler Impulse verändern. Auf den Oberflächen und im Innern der Nervenzellen hinterlassen psychoaktive Substanzen Veränderungen, die sich einerseits auf die Wahrnehmung des nächsten Konsums, wie aber auch auf das Empfinden des Nichtkonsums auswirken. Zudem werden mit der Zeit auch neue Zellverbindungen gebildet, während andere verkümmern. Das heißt, unser Gehirn passt sich dem Konsumverhalten biologisch an. Veranschaulichen lässt sich dieser Vorgang mit dem Lauf eines wilden Flusses. Es bilen sich je nach Wasserstärke und chemischer Zusammensetzung verschiedene Formen in der Landschaft und im Gestein.

Dazu gehört auch, dass die Zahl der Rezeptoren, die auf die jeweilie Droge reagieren, im Laufe der Zeit zunimmt. Daraus erklärt sich, dass Abhängige immer höhere Dosen ihrer Droge benötifgen, bis die gewüsnchte Wirkung eintritt. Bleibt die Droge aus, wirkt sich das negativ auf die Stimulation sdes Belohnungssystems aus: es kann u.a. zu schlechter Laune, Gereiztheit und Drpressionen kommen, bis die Zahl der Rezeptoren wieder auf das normale Maß zurückgegangen ist.

Nach den Erkenntissen des National Institute of Drug Abuse, ist Abhängigkeit eine Folge von wiederholt gestörten Regulationsvogängen im Belohnungssystem mit Auswirkung auf Motivation, Gedächtnis und Impulskontrolle.
Auf die Frage, wer gefährdet ist, abhängig zu werden, lässt sich jedoch auch aus detaillierten Kenntnissen über die relevanten vorgänge im Gehirn keine Antwort schließen. Die Praxis zeigt, dass bei Menschen individuelle Unterschiede in der Reaktion auf bestimmte Stoffe vorhanden sind.
Wichtig sind aber nicht nur die biologischen Umstände, sondern ebenso die psychosozialen Lebensbedingungen.

4. Psycologisch
Es ist bisher noch nicht möglich bestimmte Charaktereigenschaften zu benennen, die zur Sucht führen. Aber es ist klar, dass Abhängige häufig keine klaren Strukturen und Klarheit in ihrer Ausbildung haben. Andere Faktoren ist mangelnde Sicherheit, Unterstützung, Liebe und Aufmerksamkeit.
Aber auch überbesorgte Eltern und sehr strenge Erziehungsmethoden können wiederum eine Rolle spielen. Eine große Anzahl von Süchtigen stammt wiederum aus Familien in denen exessiver Alkoholkonsum bei einem oder beiden Eltern bekannt ist. Auch Traumata (drastische Ereignisse oder Gefahr und Missbrauch) in der Jugend können eine Rolle spielen. Sicher ist, dass unter Stress kleine Mengen an psychoaktiven Stoffen zu einer Sensibilisierung führen können (Moelker).
Geringe Frustrationstoleranz, Selbstwertkonflikte, mangelnde Beziehungsfähigkeit sind psychische Entwicklungen, die aus psychodynamischer Sicht eine Suchtentstehung fördern. In diesem Bedinungsgefüge wird der Konsum von Suchtmitteln als "Therapie" gegen die eigenen "Unzulänglichkeiten" angesehen.
Die WHO fordert, dass man suchtkranken menschen weder eine Willens- noch eine Charakterschwäche unterstellt.
Abhängigkeit ist eine Krankheit die jeden treffen kann !

Eine oftmals chronische Krankheit, die aus dem Zusammenspiel biologischer und Umweltfaktoren verstanden werden kann. Sie erscheint meistens gleichzeitig und verknüpft mit anderen somatischen und psychischen Störungen.
Ein unheil kommt selten allein !!!
Fazit:
So etwas wie eine "Suchtpersönlichkeit" gibt es nicht. Wohl aber Risikofaktoren die die Entstehung von Sucht begünstigen können. :!: :!: :!:

_________________
Andreas Matthias


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