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 Betreff des Beitrags: Baclofen: Das Wundermittel?
BeitragVerfasst: Mi 9. Dez 2009, 15:51 
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Registriert: Di 5. Mai 2009, 18:23
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Das Wundermittel gegen Alkoholsucht ?

Der französische Arzt Olivier Ameisen hat eine Welle des Erstaunens inder Fachwelt und Öffentlichkeit ausgelöst.
Nach eigenen Angaben habe er seine schwere Alkoholsucht mithilfe eines Medikaments überwunden, das in der Neurologie schon lange zur Muskelentspannung verschrieben wird.
In seinem Buch "Das Ende meiner Sucht" beschreibt der Wissenschaftler, wie er es geschafft hat,heute nicht nur auf Alkohol verzichten zu können, sondern sogar ein Glas ein zu treinken, ohne das sogenannte "Craving" (übergeordnetes Verlangen) nach mehr Alkohol zu verspüren. Nach derzeitigem kenntnisstand ist das für ehemalige Alkoholiker völlig inmöglich, da das "Suchtgedächtnis" schon bei kleinsten mengen Alkohol wieder winwn Suchdruck erzeugt. Der französische Arzt bezeichnet sein Verhältnis zum Alkohol nach der Einnahme von Baclofen dagegen als völlig gleichgültig.

Olivier Ameisen, geb. am 25. Juni 1953 in Paris, ist ein französischer Kardiologe und Buchautor. Er lebt in New York und Paris. Mit sechzehn jahren begann Ameisen im Jahr 1969 das Studium der Medizin in Paris. Nach Abschluss des Studiums im Jahr 1978 machte er die Kardiologie zu seinem fachgebiet, zog nach New York und hatte ab 1983 eine Stellung als Forschungsassistent in der kardiologischen Abteilung des New York Hospital inne.
Später wurde er Dozent für Medizin an der Cornell University und Facharzt am New York Hospital. Im Jahr 1994 eröffnete er zudem eine Privatpraxis im New Yorker Stadtteil Manhattan. Im Zuge einer immer stärker werdenden Alkoholabhängigkeit stellte Ameisen im Jahr 1997 seine Tätigkeit als Arzt vollständig ein, um sich der Therapie seiner eigenen Erkrankung zu widmen. Nach zahlreichen erfolglosen Therapieversuchen gelang es ihm nach eigenen Angaben, seinen Alkoholismus mithilfe des Muskelrelaxans Baclofen, welches er sich für einen Selbstversuch als Off-Label-Use selber verschrieben hatte, vollständig zu überwinden. Heute hat Ameisen eine Gastprofessur an der State University of New York inne.
Seine Ängste steigern sich 1986 zu unerträglichen Panikattacken, von denen ihn nur der zunehmende Alkoholkonsum befreit.


Eine Lesekritik zum Buch.
Atemberaubend liest sich die Schilderung von Olivier Ameisen über seine Versuche, dem Alkohol abzuschwören. Er wird Mitglied der AA ( Anonyme Alkoholiker ) und erliegt doch immer wieder seiner Gier nach der erlösenden Betäubung durch dem Alkohol. Kliniknotaufnahmen im Wechsel mit Entzugskliniken und Therapien aller Art bieten ihm keine Entlastung. Bald kann er die vielen Entzugskliniken nicht mehr bezahlen. Die ärztliche Arbeit hat er aufgegeben, weil er seine Patienten nicht gefährden will. 1999 kehrt er nach Paris zurück.
Es geht ihm immer schlechter. Das exzessive Trinken schadet seiner Gesundheit, denn er zieht sich gefährliche Brüche zu, und die Leber nimmt Schaden. Er vernachlässigt sich. Wenige Freunde bleiben ihm, und die ärztliche Hilfe bei angesehenen Alkoholspezialisten, Psychiatern und Neurologen bewirkt nichts. Es ist ein steiler Niedergang, der auf den Tod zusteuert.
Seine immer wieder vorgetragenen Argumente, dass seine Ängste die Ursache und nicht das Symptom für den Alkoholmissbrauch sind, werden von niemandem ernst genommen.
Selbsthass und Gefühle des Versagens werden unerträglich. Mitfühlend wird man zum Zeugen einer Krankheit, die herkömmlich mit Charakterschwäche und mangelndem Willen verwechselt wird.
Als Olivier Ameisen durch einen Zufall auf ein Medikament aufmerksam wird, das bei Muskelkrämpfen eingesetzt wird, macht er sich auf die Suche nach Forschungsergebnissen. Er nimmt Kontakt zu befreundeten Ärzten auf und beginnt schließlich einen Selbstversuch mit dem Medikament Balcofen. Binnen kürzester Zeit ist seine Sucht verschwunden, ja er wird sogar gleichgültig gegenüber den Verlockungen des Alkohols. Fast ohne Nebenwirkungen kann er entspannt schlafen und beginnt, am Leben wieder aktiv teilzunehmen. Er geht an die Öffentlichkeit mit seinem Selbstversuch, schreibt einen von Sachverständigen bestätigten Bericht über seine Erfolge beim Kampf gegen den vernichtenden Alkoholismus und beginnt ein neues Leben.

Erschütternd, spannend wie ein Krimi und aufklärend ist sein Buch über die eigene Erkrankung, die mit dem Vorurteil aufräumt, es läge nur an der eigenen Schwäche, wenn man dem Alkohol verfällt. Sein Bericht über den Kampf gegen die Sucht ist hoch engagiert geschrieben. Er ist Ausdruck größter Not und Todesangst und weckt Verständnis und Mitgefühl. Neben der sehr persönlichen Berichterstattung gibt er als kompetenter Arzt fachlich Auskunft über die Wirksamkeit seiner Medikamente. Die Ehrlichkeit und bemerkenswerte Eigendiagnose wird zum Motor, mit dem Ameisen sich dem Kampf gegen die Sucht und ihrer Heilung widmet. Er wird zum Forscher für Suchtkrankheiten und lehrt und arbeitet heute wieder in New York und Paris.

Olivier Ameisen
Das Ende meiner Sucht
Gebunden 320 S.
Verlag Antje Kunstmann
ISBN -10 3888975859
ISBN-13 978-3888975851

Wird das Mittel zugelassen?

Was noch fehlt, sind allerdings größere Untersuchungen, in denen Baclofen gegen gängige Präparate oder ein Scheinmedikament getestet würde. „Naturgemäß sollte man als seriöser Mediziner mit der Einschätzung solcher Substanzen sehr vorsichtig sein“, sagt deshalb der Psychiater Jakob Hein, Oberarzt der Suchtambulanz der Charité auf dem Campus Mitte. Grundsätzlich findet er den Bericht von Olivier Ameisen jedoch sehr spannend. „Und da wir im Bereich der Suchtmedizin noch Reserven in der medikamentösen Behandlung haben, würden wir eine umfassende suchtmedizinische Untersuchung der Substanz sehr begrüßen und gern auch aktiv mit gestalten.“

Bis es so weit ist, könnte Hein sich vorstellen, einzelnen Patienten im Rahmen eines sogenannten Heilversuchs Baclofen zu verschreiben. Das wäre ein „Off-Label-Use“, da das Mittel für diesen Zweck heute nicht zugelassen ist. Andererseits ist der Patentschutz für die Substanz längst ausgelaufen, so dass der Anreiz, eine große Studie mitzufinanzieren, für die Herstellerfirmen gering sein dürfte.


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